Sonntag, 12. Juli 2026

Luciah - Spaziergang mit Victor Hugo

 




Samstag Abend machten Luciah und Enrico in ihrem Ferienort in Nordfrankreich, in dem sich seit mehr als dreißig Jahren ihr altes aber charmantes Stadtferienhaus an der Stadtmauer befindet einen sehr schönen Spaziergang. Sie wurden dabei versetzt in die Zeit um das Jahr 1837, als Victor Hugo Anfang September ihre Stadt Montreuil-sur-Mer besuchte. 




Begleitet wurde er von seiner Maitresse Juliette, die er bereits 1833 in Paris kennengelernt hatte und die ihn ab da mehr als fünfzig Jahre bis zu ihrem Tod begleiten sollte. An seine Frau Adele schrieb er aus Montreuil folgende Zeilen:


Mit Juliette teilte er mehr als 20 000 Briefe. Sie war nicht nur seine Muse, sondern auch seine Sekretärin und Lektorin und korrigierte die Korrespondenz von Victor Hugo an sie häufig. Seit ein paar Jahren tragen die Licht-und Tonspiele mit 200 AkteurInnen aus dem Ort im Sommer auch ihren Namen... "Juliette et Les Miserables".

Meistens sind die Leute nicht so bekannt, die hinter großen Namen stehen. Das französische Epos Hugos "Les Miserables" - weltweit auch als Musical berühmt - steht immer in Verbindung mit ihm. Und so richtig war Luciah die Bedeutung von Juliette bis zu diesem Spaziergang nicht bewusst.





Die Geschichte in drei Bänden, die nun das Bücherregal mit beherrschten, kannte die deutsche Familie Williams nicht, als sie ihr Ferienhaus kauften. Sie hatten da, wo Victor und Juliette gespeist hatten – im Hotel de France gegenüber – nach einem Strandtag mit Sonnenbrand zu Abend gegessen, als die Idee nach einem Haus am Meer für Luciah wieder aufkam. Beim Blick aus dem Fenster vom Tisch aus war ein Verkaufsschild an einem Haus zu sehen, das sie beide interessierte. Luciah war Studentin und Enrico hatte einen seiner ersten Jobs nach dem Studium. Das gesehene Haus war alt und renovierungsbedürftig.

Durch die jährlichen Aufführungen in der Zitadelle von Montreuil wurde ihnen Victor Hugo als einer der herausragendsten Schriftsteller Frankreichs bekannt. Am Ende jeder Vorstellung „Juliette et Les Miserables“ gab es um Mitternacht ein Feuerwerk, das vom Fenster des Williamschen Hauses zu sehen war.








Überhaupt war Montreuil ein für das Buch besonderer Ort. Victor Hugo ließ sich hier zusammen mit Juliette für die Geschichte inspirieren, wie der abendliche Spaziergang ebenfalls zeigen sollte.

So wandelt sich der Protagonist Jean Valjean als ehemaliger Strafgefangener in einen geläuterten Menschen durch einen Bischof, der ihm noch Kronleuchter und Tafelsilber schenkt, als er ein Brot aus Verzweiflung mitgenommen hat.

 




 

Er nennt sich fortan Monsieur Madeleine – übrigens der Name des ersten Nachbarortes unterhalb der Stadtmauer -  und wird Bürgermeister einer Stadt, für die Montreuil Vorbild ist. Hier trifft er auf Fantine, die Mutter von Cosette. Das kleine Mädchen wird bei Wirtsleuten, den Thenadiers, untergebracht, als die Mutter krank ist. Nach ihrem Tod flüchtet Jean Valjean mit ihr nach Paris, wo die Revolution und der Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bei Napoleon dem III ihren Lauf nimmt.

 





Luciah und Enricos Haus war ein ehemaliges Hotel namens „Lion D’Argent“ (Silberner Löwe) mit vielen fleißigen Leuten. Auch eine Autowerkstatt einst.

Die Besitzerin vor ihnen, die kinderlose Franca italienischer Herkunft, würden sie als ihre zweite gemeinsame Mutter quasi adoptieren.

Jedes Wochenende, das Luciah und Enrico dort verbrachten, hatten sie - noch selbst kinderlos - eine zusätzliche Tasse am Samstag Morgen auf dem Frühstückstisch stehen.
Das Haus mit dem einzigartigen fantastischen Zitadellenblick vom Schlafzimmer aus hatte schon lange für sie an Anlehnung an ihre mittlerweile verstorbene Franca den Namen „MAISON BELVEDERE“. 









Diese Stelle der Stadtmauer meinte Victor Hugo wohl als er an seine Frau schrieb. Die Tafel hängt seit den neunziger Jahren im Schlafzimmer der WIlliams.




   


Luciahs und Enrico, die nun schon etwas älter waren, - verband sie doch ihre eigenen Geschichten mit Montreuil und ihrem Ferienhaus. Ihre beiden Kinder Inge-Katharina und Lena-Nicole verbrachten mit Nichten und Neffen hier ebenfalls lange und häufig ihre Ferien.






Der Spaziergang in Montreuil-sur-Mer auf den Spuren Victor Hugos und Juliettes Drouets endet am Musee de L'Espoir. 

Dort fand eine besondere Szene aus "Les Miserables" am Schluß statt. Jean Valjean rettet einen Mann unter einem Pferdewagen liegend und wird von dem Polizisten Janver als der ehemalige Strafgefangene erkannt. Janver wird ihn lebenslang verfolgen.




Zum Musée de l‘ Espoir der Madame Wooster an anderer Stelle viel mehr. Hier findet der Abschlußempfang der Führung mit Sekt statt. Luciah und Enrico waren sehr beeindruckt an diesem Abend wieder einmal. Und dann noch etwas:

Seit Coronazeiten besitzt dieses Museum - auch als L'Hotel d'Acary de la Riviere bekannt - am Eingang Montreuils einen modernen Anbau. Es ist ein Aufgang mit Aufzug zu den oberen Räumen und zum Garten. Luciah kann ihre Freude kaum unterdrücken, die Räume und den Garten wieder zu betreten. Sie sah sie im Jahr 2000 einmal.  Die von Madame Frank Wooster - in Frankreich kann der Name des Mannes bei dem der Frau stehen. Es war das "Dreamhouse" einer Engländerin und eines Amerikaners. Und es ist ein ganz besonderer Schatz in diesem wunderbaren Ort...



Geschichte folgt


5 Kommentare:

  1. Liebe Heike, du schreibst so schön, so lebendig. Ich mag deine Gedanken und diese Geschichte ist toll. Ich sehe Bilder beim Lesen. Das liebe ich so. Vielen Dank, dass du das teilst.

    AntwortenLöschen
  2. Wie immer sehr Interessante Gechichten liebes ,hat mir gefahlen ♡♡♡

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Liebes. Und Glückwunsch zur Mutterschaft am 14. Juli. Dem Nationalfeiertag der Franzosen 🇫🇷

      Löschen
  3. Sehr schöne Geschichte

    AntwortenLöschen