Samstag, 16. Juni 2018

Luciahs fairstandene Welt

"Schreib etwas über den Nachhaltigkeitskongress", lauteten die Worte an Luciah.

Der hatte in ihrer Heimatstadt Ende des letzten Monats mit der Fernsehköchin Sarah Wiener und dem Umwelt- und Landwirtschaftsminister ihres Bundeslandes und vielen anderen Menschen stattgefunden...

Ja, seitdem waren die Erdbeeren ein Thema in Luciahs Haushalt und weiteren Umgebung. "90 % (Anm. gefrorener) Erdbeeren, aus denen die Marmeladen hierzulande gemacht werden, stammen aus China", so Sarah Wiener. Billiger trotz der Transportkosten wegen niedriger Arbeitslöhne.




Dann enthielten die Brotaufstriche meist Zitronensäure, die ihnen Farbe und Geschmack gaben. Nur Zitronensäure war ein chemisch hergestellter gezüchteter Schimmelpilz. Nichts anderes. Igitt.

Marmelade wieder selbst kochen aus heimischem Obst mit einfachem Gelierzucker war eine ihrer Aufforderungen. Sarah Wiener trug ein rotes Kleid. Man hatte Lust, es zu tun. Dieser engagierten Frau mit ihrem Berliner Restaurant und angeschlossenen Biobauernhof wollte man folgen. Und weg von diesem Billigkram. Hin zu mehr Qualitätsbewusstsein. Sie züchtete in der Hauptstadt Angusrinder, die nicht übermästet waren, sondern natürlich weiden konnten.

Ja, mit der Fernsehköchin, einem guten Moderator, vielen Filmen, in denen Schüler und Erwachsene über Nachhaltigkeit redeten, war es ein gelungener Nachmittag vor etwa 150 Besuchern.

Luciahs Freundin bot zusammen mit ihrer Freundin kenianische Küche an. Die Schüler konnten Fairtrade-Beutel aus Biobaumwolle für Sport und Ausflüge bemalen, sich über das Bliesgaureservat informieren, wo man bereits lokale Produkte mit dem Fairtradegedanken verband. Wie wichtig.


Luciah nahm die runden Deckel mit den vielfältigen Motiven aus dem Bliesgau in die Hände. Viele Produzenten und Heimatgesinnte vereinigten sich zu einem gemeinsamen Ziel. Die Region und ihre Produkte bekannter zu machen. Luciah bekam vier der schönsten, als Untersetzer für den heimischen Tisch.

"Uns geht es so gut und weil uns das bewußt ist, wollen wir was abgeben und tun, damit es Menschen in anderen Teilen der Welt auch besser geht", sagt Marie, die Armbänder aus Perlen mit dem Herz Moncoeur und schicke T-Shirts aus Portugal verkauft.

Auch Transition Town und Food Sharing waren da und verteilten übriggebliebene Lebensmittel, die die Organisationen von den Geschäften eingesammelt hatten. Heute waren Käsebrote im Angebot gewesen und viel Brot. Einer von diesen engagierten Menschen kam mit dem Lastenfahrrad und transportierte Gemüse aus dem Stadtgarten.

"Das sind Zapalittos". Jemand erklärte die kleine runde Frucht mit grüner Schale Luciah und nahm sie in die Hand. "Die schneidet man klein und brät sie wie Zucchinis. Sie schmecken wunderbar". Luciah wurde reich beschenkt. Bald war Wochenende. Sie nahm Brot, Baguette und Brötchen fürs Frühstück am darauffolgenden Morgen mit. Umsonst.


Es war etwas los an dem Stand des Überflusses. Das Brot ging weg "wie warme Semmel". Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel auf der Welt werden entsorgt, weil sie nicht der Norm entsprechen, die der verwöhnte Konsument gewöhnt ist. Man konnte nur den Kopf schütteln. Auch, wenn die Hungersnot in der Welt zurückgegangen war in den letzten zwanzig Jahren, so war sie nicht ausgerottet 2018.

Luciah hatte ihr eigenes kleines Kraftzentrum im Haus. Dort auf einer Säule und einem Teller drapierte sie alles Essbare, was sie sich hatte aussuchen dürfen bei diesem Kongress für die Entwicklung einer nachhaltigeren Zukunft.


Ach ja, da waren die Bill Gates Notes letztens in Luciahs E-Mailprogramm und der US-Milliadär wollte in einem Online-Fragebogen wissen, ob sie empfand, dass die reichen Länder etwas abgeben müssten....

So einfach war die Frage seitens Luciah nicht zu beantworten...natürlich war sie privilegiert mit Reichtum zu leben. Am liebsten würde sie auf ihren nächtlichen Fahrten mit ihrem Gott in seinem goldenen Ferrari diesen danach fragen...


(Anmerkung......Hier fehlt ein Teil des Textes im Internet. Gerne bei der Autorin erhältlich...)


Aber wie besser in einer Welt, die so nicht war? Wo Menschen Begehrlichkeiten und Empfindlichkeiten hatten, die ihnen eigen und auch sehr verständlich waren? An so einem Nachmittag im Gespräch und beim nächtlichen Geburtstagsgrillen spürte Luciah sie bei vielen. Jeder war anders. Vielleicht war das das derzeit Schwierige in dieser Welt.

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