Freitag, 22. Juni 2018

Marina



Eine Privataudienz mit dem Papst - so ist es von dem Filmemacher Wim Wenders gewollt. Kein Interview, sondern der Papst - auf einem Stuhl sitzend - blickt in die Kamera, schaut einen an und spricht.

Marina ist heute die einzige im Kino. Ihre persönliche Audienz mit diesem bewegenden friedensstiftenden Mann, der uns vor Augen führt, was wir mit Mutter Erde tun, von der wir uns distanziert haben.

"Ein Film für Leute, die was verändern möchten", so beschreibt der Regisseur die Zielgruppe seines Filmes. Also 50 % der Bürger sind das. Aber niemand da an diesem Nachmittag außer Marina.

Es sind große Bilder, starke Bilder. Eine Reise an die Brennpunkte dieser Erde. Nach Lateinamerika in die Slums, zu den Philippinen nach dem Hurrikan. Es sind Bilder aus Lampedusa und Jerusalem. Der Papst spricht vor den Vereinten Nationen 2015 und vor dem amerikanischen Kongress. Ein Mann des Wortes, der einem in die Augen schaut. Der lächelt, zärtlich berührt. In jeder Hinsicht. Aber der uns bewusst macht, dass wir gerade dabei sind, unseren Planeten zu zerstören. Täglich sterben 150 Arten. 2015 seine Laudato Si-Enzyklika zum Klimawandel vor dem Pariser Gipfel, die diese Zerstörung in sechs Kapitel beschreibt.


Im Film werden Bilder von Müllhalden als Sorge um das gemeinsame Haus - so die Verlautbarung - projeziert. So beeindruckend. Hier Reichtum, dort Armut und fast überall die  Zerstörung der Umwelt. Dabei haben wir nur einen Planeten und zum Leben brauchen wir die drei Ts, wie der Papst es in seiner Sprache formuliert. Ein Dach über dem Kopf, Arbeit und die Erde...(Tierra, Techo, Trabajo - Terra, Casa, Lavoro).
Unser Konsumverhalten geht auf Kosten der Ärmsten, die den Klimawandel am schwersten ausbaden müssen, ohne eine Chance auf ein würdiges Leben zu haben.
"Jeder muss von seinem Reichtum etwas abgeben", lautete eine der Botschaften des Papstes. Er liebt auch den Humor, denn der macht das Leben leichter...und so betet er jeden Morgen für ihn.

https://www.ndr.de/kultur/film/So-kam-Wenders-zur-Papst-Doku-ueber-Franziskus,franziskus180.html

Mit Kindern spielen, in Frieden schlafen gehen. Marina erinnerte sich an die Worte der Affenforscherin Jane Goodall, die sie vor kurzem gehört hatte. Sie ergänzten diesen alten weisen Papst ganz gut. Und sie waren von einer Frau. Das Gleichgewicht zwischen Yang und Yin stellte sich für Marina her.



Als Marina auf Facebook ihren Freunden gepostet hatte, dass sie heute im Kino war, ploppte ein Fenster hoch. Emmanuel Macron, der französische Präsident, natürlich mit seiner Frau Brigitte, war nun live im Elysee-Palast mit der #fêtedelamusique zu hören. Für Marina so schön. Würde die kürzeste Nacht des Jahres folgen und man überall in Frankreich und auch vielerorts in Deutschland bis Sonntag mit musikalischen Darbietungen feiern.


So lag es auch nahe für ein heimatliches Tanzprojekt zu spenden, dass 65 Jugendliche im Sommer nach Spanien brachte:

EIN APPELL VON HEINER BUCHEN:
Liebe Bekannte, Freund_innen und Kollegen_innen,
in knapp 2 Wochen beginnen wir unser 4. Tanztheaterprojekt. Wir reisen vom 24.6.-8.7.2018 mit 65 Jugenlichen aus Saarbrücken, Nantes, Lothringen, Targu Jiu/Rumänien und Sarajevo nach Portbou in Spanien/Katalonien. An dem Projekt nehmen auch Jugendliche aus syrischen und nigerianischen Flüchtlingsfamilien teil. Unser Projekt trägt den Titel "Passagen in Portbou oder Walter Benjamin und das Gedächtnis der Namenlosen. Flucht, Migration und Asyl - Bruchlinien Europas." Durch die immer noch angespannte politische Situation zwischen der spanischen Zentralregierung und der katalonischen Regionalregierung kann unser Partner in Katalonien keinen finanziellen Beitrag zu dem Projekt leisten. Die Mittel sind eingefroren. Hinzu kommt, dass Projekte im Ausland immer seltener durch öffentliche Einrichtungen und Stiftungen finanziell unterstützt werden. Damit wir unseren Eigenanteil noch senken können, haben wir uns dazu entschieden, eine Crowfounding_Aktion zu starten. Wer also unser soziales, integratives, politisches und kulturelles Projekt unterstützen möchte, sei hiermit herzlich dazu eingeladen. Jeder Euro zählt.
Näheres zum Projekt und den Weg zur Spende finden zu unter folgendem Link
https://www.betterplace.org/de/projects/62953…
Gerne könnten ihr diesen Link weiterleiten.
Freundlichen Gruß
Heiner Buchen

Jung sein, in der Welt sein. Wie sehr hatte Marina das genossen, in dem Heimatort Le Touquet von Emmanuel Macron ihre erste Fête de la Musique vor vielen Jahren 2003 an einem Samstag mitzufeiern. Ganz zufällig, zu erleben, was das ist. Dass ein Hotel ein kleines Musiktrio abseits des Marktes engagiert hatte in der Mittagshitze im Schatten unter einem Säulendurchgang spielend. Was für eine wunderbare Welt, die der Musik. Und der Siegeszug des Festivals bisher.



(wird fortgesetzt)

Anmerkung der Autorin: 27.6.2018

Es ist schon etwas Besonderes, was einem Menschen alles so passieren wird, wenn er ein spirituelles Wesen ist. Man schreibt "wird fortgesetzt" ohne im Bewusstsein zu sein was direkt danach geschieht: Nach der #fêtedelamusique trifft am Dienstag Emmanuel Macron (und seine Frau) den Papst.
Von dieser Synchronizität wurde beim Zusammenstellen des ersten Teil des Posts nichts geahnt.

Und ja der nun folgende youtube-Film ergänzt so viel zu diesem Beitrag, nämlich wie anders auch die Realität ist, als wie sie von einem einzelnen Menschen immer jeweils zusammengefügt wird: Hier der Film von Wim Wenders, dort im folgenden Film die Rituale beim Empfang eines Staatsgastes wie Macron im Vatikan. Kaum auszudenken, dass Wim Wenders den richtigen Film über das Oberhaupt der katholischen Kirche gemacht hat, wenn er diesen Kirchenapparat nicht berücksichtigt und zeigt. "An Menschen, die verändern wollen...." sagt Wenders in einem Interview ist der Film adressiert. Man erkennt den unabdingbaren Wunsch auch des Regisseurs zu ändern und alte Traditionen hintenanzustellen, um Neues und die Menschlichkeit in den Vordergrund zu schieben. Das Wesentliche für die Welt, die Ansatzmöglichkeiten für den einzelnen Zuschauer sind zunächst mal das eigene Denken zu verändern.

Während des Schreibens läuft der nachfolgende Film im Hintergrund. Das Gespräch zwischen Papst und dem französischen Präsidenten wird nicht wiedergegeben. Es ist die Zeit des Wartens bis es vorbei ist und man Bilder vom Innern und Äußeren, dem Innenhof des Papstpalastes, immer wieder sieht. Beim Reinschauen in den Film fällt der Blick auf Caravaggios Emmausbild im Innern des andächtig machenden Gebäudes. Jesus, gerade auferstanden,  taucht in Emmaus bei zwei Jüngern auf „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen“ (Lukas 24:30–31).
Wenn man sich mit Caravaggio im Kunstgeschichtestudium beschäftigt hat, ist einem diese Szene aus der Malerei nicht unbekannt.

Immer wieder ist die Uhr im Blick. Der vorgerückte Zeiger zeigt jedes Mal an, wie lange das Gespräch schon andauert.

Emmanuel Macron und sein Leben sind wichtig geworden für das eigene spirituelle Empfinden. Der Papst, der Präsident, die dazugehörenden Bilder mit Gesten und Worten entfalten daher ihre eigene Wirkung bei der Autorin. Ist das jetzt das leise Summen des Politischen?



Der Vollständigkeitshalber: Ein zweiter Film zeigt, wie Macron Ehrenkanoniker in der Lateranbasilika nach seinem Besuch im Vatikan wird.


Und ein Ausschnitt aus der Pressekonferenz u.a. zum Laizismus



Hier noch die kurze Darstellung Macrons als Katholik bzw. Agnostiker und eine Zusammenfassung des Tages:

https://www.die-tagespost.de/politik/pl/Macron-und-der-Glaube;art315,189946





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