Mittwoch, 6. Februar 2013

Film - "Les Misérables" - 3 Oscars



Stadtmauer mit Zitadellen hinterm Ferienhaus





Das Filmmusical "Les Misérables" ("Die Elenden") basiert auf der großen Geschichte des französischen Schriftstellers Victor Hugo, der sie zwischen 1845 und 1862 schrieb.


1837 weilte er bereits in Nordfrankreich in Montreuil-s-Mer, wo der Anfang des Romans spielt - Fantine (Anne Hathaway) ist dort Arbeiterin und der Protagonist Jean Valjean der zu Reichtum und Ansehen gekommene Bürgermeister der Kleinstadt.






Montreuil-s-Mer hat nicht nur vor 180 Jahren Victor Hugo beeindruckt, sondern auch uns vor zwanzig Jahren. Sonst hätten wir nicht genau dort unser Ferienhaus mit Blick auf die wunderbare Rempart (Stadtmauer) vom Hauptschlafzimmer aus gekauft:






Victor Hugo schreibt von hier an seine Frau Adèle, dass er hofft, seine Kinder  in dieser Umgebung eines Tages dankbar spielen zu sehen mit dem was Gott ihnen gegeben hat: ihre Seele...
Er blickt von hier auf den kleinen Ort Madeleine, am Fuße von Montreuil. "Madeleine" ist  der später angenommene Name Jean Valjeans in Montreuil. Wie sehr muss Hugo die Gegend beeindruckt haben, dass er den Anfang seiner Geschichte hier viele Jahre später spielen läßt?!

Jedes Jahr werden im Ort mit vielen hunderten Bürgern "Les Miserables" als Licht- und Tonspiele aufgeführt. "Victor Hugo"  kommt dann die Stadtmauer entlang in die Zitadelle von Montreuil und klappt sein spannendes Buch auf und die Geschichte beginnt, bevor sie um Mitternacht mit einem kleinen Feuerwerk - jedes Mal sichtbar von unserem Schlafzimmer - wieder endet.

Nun haben die großen Amerikaner das Thema aufgegriffen und präsentieren es überall: Beim Golden Globe, auf der Berlinale... 

Was aber hat ein so kleiner Ort wie Montreuil davon? Viele Gebäude stehen leer und verfallen. Immer noch ein Kleinod, aber keine prosperierende Stadt mehr, wie einst in früherer Zeit mit Tabakindustrie und Nähereien. Mein junger Facebookfreund M. aus Montreuil ist bekennender Hardcorefan und Marie Le Pen-Anhänger. Seine Posts erschrecken mich. Dennoch bleibe ich ihm "treu".

Meine Gäste, die nach Montreuil fahren, sind nach wie vor begeisterte Urlauber. Im Sommer hat man die Côte d'Opale zum Baden. Manchmal kommen Brad Bitt und Angelina Jolie nach Le Touquet, dem immer noch mondänen Badeort mit den zig Villen im Wald. Aber die Menschen im Hinterland, wie geht es denen?

Vielleicht können wir es ja gar nicht begreifen und M. ist nur ein Ausnahmefall. 
Wohl kaum, bei 18 % Marie Le Pen-Wählern bei den letzten Präsidentschaftswahlen. Aber seine kleine Tochter chattet schön mit mir über Facebook. Und da habe ich eine Menge Hoffnung. Das vieles besser ist, als es den ersten Anschein hat.

"Willkommen bei den Sch'tis" war vor Jahren (2008) ein erfolgreicher Film über den Norden Frankreichs. Vielleicht sollten wir den auch mal wieder sehen, bevor wir schnell eine Meinung bilden.



2013 können wir das oben Gesagte nicht mehr so stehen lassen, stelle ich aber beim Zubereiten des Mittagessens fest. Ich muss M. wie früher wieder mal zum Essen einladen, wenn ich in Montreuil bin und mit ihm sprechen. Er ist mein französischer Freund. Und eigentlich ist es auch nicht richtig, seine Gedanken hier breitzutreten, stelle ich weiter fest. Schließlich ist er ja nicht mit der ganzen Welt befreundet und hat keine Facebook-Gefällt mir Seite, auf die alle klicken können. Und jetzt gerade waren wieder die Motorradfans in Le Touquet und seine Videoaufnahmen haben mich mächtig interessiert.

Zeitgleich mit meinen Gedanken postet er auf Facebook sinngemäß den Satz: "Welches Leben hat man, wenn man nicht das Leben hat, das man haben will?" Und genau das könnte eine Wahrheit hinter seinem neuerlichen Rechtsruck oder starken Nationalismus sein. Ich werde mich nicht vor der Verantwortung drücken können. Er macht mir Sorgen. Ich werde bei ihm sitzen und ihn fragen. 

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Dieses Video muss ich unbedingt noch anfügen. Den etwas langen Film habe ich schon gesehen. Anne Hathaway als Fantine hat den Oscar gewonnen. Einfach klasse:






Und so ein richtiger "Fan" ...der kommt auch noch ins Radio







1 Kommentar:

  1. Liebe xx,


    danke für Deine Nachricht. Ich freue mich immer von Dir zu lesen. Ich glaube M. ist mittlerweile so ein Armer in Nordfrankreich, wie Du sie beschreibst. Er hatte vorher Familie mit drei Kindern. Jetzt eine Freundin und immer noch drei Kinder. Ein bißchen selbst verschuldet seine Ansichten und seine Situation, meine ich. Nein, ich glaube nicht, dass ich mich überfordere, wenn ich mit ihm mal rede. Wenn ich so einen Blog habe, muss ich auch dazu stehen. Außerdem lerne ich das ja Stück für Stück u.a. von Dir, meiner eifrigsten Leserin. Harald hat mir auch – sehr positiv -geantwortet.

    Morgen – anlässlich des Karnevals- schreibe ich über den RTL-Bachelor. Danach kommt etwas zum Fairen Handel. Versprochen. Vielleicht nicht ganz, wie Du erwartest, aber vielleicht interessiert es Dich ja doch und Du hast wieder eine Meinung dazu. Ich freu mich schon drauf.

    Übrigens habe ich den Post zu Les Misérables einem Fairtrade-Kollegen gezeigt, der das Musical gut kannte. Er hat gemeint, genauso geht es zur Zeit z.B. in Indien und Bangladesh zu. Überall Umbrüche und die Menschen fangen sich an gegen ihre Lebensumstände u.a. durch die neuen Medien zu wehren. Eine sehr interessante Betrachtungsweise von Les Misérables. Hoffentlich können sich einige Menschen “des Südens” mit dem Film identifizieren und werden in ihrem Kampf gegen Unterdrückung gestärkt.

    Liebe Grüße
    Deine Heike

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